Trainingseinheit Selbstverteidigung

Kurzzusammenfassung

Situation – Lösung

Streit mit Eltern oder Geschwistern – reden
Freunde nerven – reden
Fremder quatscht einen an, fragt nach dem Weg – Abstand halten, reden, gehen
Fremder fasst einen an „oh, du Süße hast aber hübsche Haare“ und wuschelt darin herum – deutlich Stop-sagen sagen, Abstand, weggehen / beobachten
Fremder packt einen und zerrt einen weg – kämpfen! (Wie man sich verteidigt, lernst Du bei uns im Training.)

Hättest du es gewusst?

 

Wann müssen/dürfen/sollen wir uns verteidigen?

Diese Frage hat uns die letzten Trainings beschäftigt. In Situationsspielen wurden verschiedene Konfliktsituationen nachgestellt. Dabei wurde klar und durch eigene Aktion der Schüler vermittelt, dass die meisten Situationen mit Worten zu lösen sind. Streitereien mit Eltern, Geschwistern und Freunden dürfen freilich kategorisch nur gewaltfrei gelöst werden. Aber auch die meisten anderen Situationen lassen sich verbal klären. Manchmal passiert es, dass jemand unsere Grenzen verletzt. Wir müssen uns von niemandem anfassen lassen. In dem Fall genügt meist ein lautes Stopp, das wir immer wieder üben, um es auch nachdrücklich und wirksam aussprechen zu können, wenn es die Situation erfordert.
Die Kian-Do Techniken erlernen wir ausdrücklich nur für den Notfall. Und selbst wenn es einen Kampf gibt, vielleicht sogar einen, in dem Waffen im Spiel sind (Messer, Flaschen, Stöcke), lautet der dringende Rat der Trainer zu fliehen. Wegrennen ist keine Feigheit, sondern oft die vernünftigste Reaktion.
Nur in drei Fällen sind wir zur Gegenwehr gezwungen:
1. Wir werden aktiv bedroht und stehen mit dem Rücken zur Wand. Haben also keine Fluchtmöglichkeit.
2. Ein Freund ist in Gefahr und Hilfe zu holen, würde zu lange dauern.
3. Wir werden festgehalten.
Allein in diesen Fällen wehren wir uns, und zwar entschieden, aber immer der Bedrohungssituation angemessen und entsprechend dem Notwehrparagraphen. Hierbei ist die Verhältnismäßigkeit entscheidend.
Holt jemand zum Schlag aus, müssen wir nicht abwarten, bis er uns trifft und wir zu Boden gehen. Wir kommen ihm zuvor, ohne den Gegner schwer zu verletzen. Zückt jemand ein Messer und geht damit auf uns los, gibt es allerdings keine Zurückhaltung mehr. Ein Messer, ein Stock, eine abgebrochene Flasche sind potenziell tödliche Waffen, weshalb wir mit voller Härte reagieren. In diesem schlimmsten aller Fälle wollen wir verhindern, dass der Aggressor wieder aufsteht, um uns noch einmal attackieren zu können.
Trotz der Ernsthaftigkeit des Themas, das altersgemäß vermittelt wird, haben die Kinder und Jugendlichen Spaß dabei, das jeweilig angemessene Handeln zu erlernen. Wichtig als Trainer ist uns dabei vor allem die Vermittlung, dass wir uns auf Situationen vorbereiten, die hoffentlich niemals eintreten werden. Zugleich ist Selbstbewusstsein – die Sicherheit jede Situation meistern zu können – die beste Voraussetzung dafür, dass die wirklich schlimmen Situationen erst gar nicht auftreten. Weil man kein „Opfer-Auftreten“ an den Tag legt und sie rechtzeitig zu erkennen und abwenden vermag.

Erlernen von Selbstverteidigung, Situationen richtig einschätzen